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  • Was hat Emma im Jahr 1934 gelesen?

    Was hat Emma im Jahr 1934 gelesen?

    Als zunehmend politisch interessierte Frau und Schwiegertochter eines Verlegers ist ihre Lektüre nicht mehr nur unterhaltend. Immer noch zieht sie sich gerne mit Romanen von Jane Austen oder Elizabeth von Arnim zurück – da liebt sie besonders Emma von Austen und Priscilla auf Reisen und Verzauberter April von Arnim – , aber auch alles, was frisch auf den Markt kommt, interessiert sie.
    Da wären nun also zunächst einmal die Kriminalromane:

    • Gleich zwei Kriminalromane von Agatha Christie
      • Der berühmte Mord im Orient-Express und
      • Warum haben sie nicht Evans gefragt?
    • das Debüt der Neuseeländerin Ngaio Marsh A Man Lay Dead (Das Todesspiel auf deutsch)
    • Von Dorothy L. Sayers erschien The Nine Tailors und
    • Mavis Doriel Hay veröffentlichte Murder Underground

    Es ist anzunehmen, dass Emma Vergnügen beim Lesen hatte, aber gewiss auch kritisch überlegte, ob der Fall auch von ihr zu lösen gewesen wäre.

    Besonders viel Freude dürfte sie an den zwei folgenden Roman gehabt haben:

    • P.G. Wodehouse – Right ho, Jeeves
    • Evelyn Waugh – A Handful of Dust

    Ich bin ziemlich sicher, dass sie und James sich aus diesen Büchern gegenseitig vorgelesen haben und bestimmt mehr als einmal Vergleiche zwischen den Personen im Roman und jenen der guten Gesellschaft gezogen haben. Da Evelyn Waugh sowohl mit den Mitfords befreundet als auch mit Daphne bekannt war, waren seine bissigen Beschreibungen mancher Verhaltensweisen ein absolutes Must Read für Emma. Und wer über die Erlebnisse Bertie Woosters, wohlhabender Junggeselle, und seines Valets Reginald Jeeves nicht lacht – nun, für den hat Emma nur Mitleid übrig.

    Wesentlich ernster geht es bei zwei Schriftstellerinnen zu, die heute nahezu vergessen sind:

    • F. Tennyson Jesse – A Pin to See the Peepshow.
      Was nichts mit dem zu tun hat, wonach es sich für uns anhört. Die Autorin war wahrhaftig nicht nur Autorin, sondern auch Kriminologin, die in ihren Romanen echten Fällen auf den Grund ging. Hier steht Edith Thompson im Mittelpunkt, deren Hinrichtung schockierte. Emma dürfte die Lektüre besonders heftig mitgenommen haben nach dem, was sie im Gericht erlebt hatte (Die Tote im Hyde Park)
    • Storm Jameson – Company Parade.
      Eine junge Frau und Mutter versucht nach dem ersten Weltkrieg, eine Karriere als Schriftstellerin aufzubauen – belastet von einem Ehemann, der das Gegenteil von Hilfe ist. Während des Lesens hat Emma bestimmt oft an Daphne und Nancy gedacht – und an ihre eigene Jugend in diesen hier beschriebenen Jahren.

    Ja, ich denke, das ist eine vielleicht kurze, aber interessante Liste.

  • Der Tag der Fledermaus!

    Der Tag der Fledermaus!

    Das finde ich so entzückend: ein Festtag für die Fledermaus.
    Nun ja, eigentlich gibt es diesen Tag wohl nur in den USA, aber irgendetwas Gutes muss ja auch in diesen Zeiten mal von dort stammen, oder? Allerdings gibt es auch eine europäische Fledermausnacht, in der man sich über diese Flugtierchen informieren kann – auf die Schnelle habe ich nicht herausgefunden, wann das in diesem Jahr stattfindet. Ich musste mich ja schließlich beeilen, noch schnell etwas zu diesem Festtag zu schreiben.
    Warum? Weil ich Fledermäuse mag, seitdem mein Vater in den Siebzigern mal einen Nebenjob in einem nicht mehr existierenden Gebäude angenommen und dort in nicht länger verwendeten und abgedunkelten Büroräumen neben allerlei menschlichem Unrat eine einzelne, winzige und sehr verängstigte Fledermaus fand, die vor lauter Hunger und wohl auf Kälte sofort auf ihn zu schwebte und sich an seine Schulter kuschelte.
    Mein Vater fand in seinen letzten Jahren meinen Vegetarismus gar nicht mehr so albern; ich fand nach seinem Tod seine Linkliste und da waren sehr viele Seiten aufgeschrieben, die sich damit befasste. Aber das nur nebenbei, das zeigt seine grundsätzliche Tierliebe, die wir teilten. Er nahm das Tierchen mit nach Hause und übertrug mir, dafür zu sorgen, dass es ihr gut geht. Ich war acht oder neun Jahre alt und erinnere mich heute nicht mehr, was ich der Fledermaus an Futter anbot, aber mein Vater befestigte einen Karton an meiner Zimmerdecke, passte eine Stange ein und bot es dem Tierchen an, dass dann auch wirklich über einige Wochen dort schlief. Relativ oft aber flatterte sie durch mein Zimmer und war insgesamt recht zutraulich – mein Kater war wenig zufrieden, durfte er doch nicht zu mir herein, obwohl er bislang Nacht für Nacht in meinem Bett geschlafen hatte.
    Dann kam das Frühjahr und die Fledermaus – oh, ich glaube, sie hieß Flieda, ganz dunkel kommt die Erinnerung wieder – stellte fest: Ich will raus. Einige Tage schwirrte sie auf den Balkon und wieder zu mir herein (ja, ich hatte einen Balkon, aber nicht aus Gründen von Luxus, im Gegenteil – andere Geschichte!), bis sie dann eines schönen Abends davon flatterte und nicht mehr zurückkehrte. Was mir das Herz brach. Mein Kater verzieh mir zum Glück und so war Flieda dann doch bald vergessen. Bis vorhin.
    Die Fledermaus also. Seit dem Mittelalter scheint eng mit Magie und dem Übernatürlichen verbunden zu sein. Wieso, weshalb warum? Vermutlich weil sie so sicher durch die Nacht fliegt. Weil ihre Flügel wie der Umhang eines Mönchs wirkt. Weil man Mäuse für Ungeziefer hielt und wenn sie dann noch fliegen können – nein, nein, das ist nicht natürlich, das muss Magie sein. Ich will gar nicht aufzählen, was man mit diesen Tieren alles angefangen hat – entweder, um sich vor ihnen zu schützen oder um ihnen ihre Magie abzuzapfen. Ihr könnt es euch eh schon denken, dass das nichts Gutes sein kann. Und als man irgendwann kapierte, dass es keine Hexen gibt und Fledermäuse nicht deren Boten oder Diener oder Begleiter oder was immer sonst sind, nun, da betrachtete man sie als Tiere der Nacht und dank Bram Stoker und seinem Dracula waren sie nun Vampire in Tierform. Es wollte einfach nicht besser werden, oder?
    Dabei sind sie so reizend anzuschauen. Das hübsche kleine Gesicht, ihr sicherer Flug, das runde Bäuchlein – vermutlich sind wir einfach nur neidisch. Ich denke, es wird Zeit, dass ich in der nächsten Staffel rund um Rachehexe Moira eine Flieda einbaue. Im Institut für Fantastik … Hmm, ich weiß gar nicht, ob ich sie da erwähne. Auf dem Cover sind sie aber unbedingt. Als Klischee und Stimmungsträgerin ist die Kleine nämlich doch ganz groß!

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  • Der Club der Verräter

    Der Club der Verräter

    Was ich nun schon verraten kann: Es wird dieses Mal in zumindest einer Hinsicht etwas traurig werden. Das hatte ich natürlich nicht geplant – wie auch, wenn ich nicht plotte? Aber wie das immer so ist, wenn ich voller Vertrauen sowohl in Emma wie auch in meine Fantasie starte, dann ergibt sich immer etwas für mich Unerwartetes.

    (Weshalb ich heute noch grinsen muss, wenn ich an die zwei oder drei Rezis zu dem einen oder anderen Krimi denke, in denen gesagt wurde, es wäre auch deshalb so langatmig und öde gewesen, weil man von Anfang gewusst habe, wie es ausgeht – und das bei Geschichten, in denen ich mit allen Regeln breche und einen Mörder mehr oder weniger aus dem Hut zaubere. Ich kann solche Hellsicht nur bewundern und rate dringend zu einer Karriere in Zirkus, Kaberett oder Varieté)

    Nun, dieser dritte Roman, der Emma bei ihren Ermittlungen in London begleitet, beginnt ruhig. Also langatmig. Total öde. Emma würde widersprechen, sie empfindet ihren Wochenstart als sehr hektisch und stressig und zwar so sehr, dass sie dankbar dafür ist, sich um Lohntüten und Buchhaltung kümmern zu müssen, da hat sie für drei Stündchen ihren Frieden und ihre Freude. Nicht unbedingt eine Ansicht, die ich mit meiner Heldin teile.

    Ja, das wollte ich nur mal kurz mitteilen. Und hey, bestellt vor – bei Amazon oder über einen der Läden der Tolino-Allianz (ich finde Hugendubel irgendwie am sympathischsten). Schubst mich, drängelt mich und unterstützt mich gerne. Sehr wahrscheinlich wird das Buch Anfang Juni erscheinen. Also los jetzt, kauft mich! Oder ähm, nein, das Buch, kauft das Buch, sorgt dafür, dass ich mir Brot leisten kann. :D

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  • Der Tag der Lakritze

    Der Tag der Lakritze

    Eben habe ich gelesen, dass heute das Lakritz geehrt wird. Völlig zu Recht, wie ich finde. Lakritz ist meine Sünde, zumal mir seit einigen Jahren schnell mal etwas übel wird, wenn ich zu viel davon nasche. Und zu viel ist mittlerweile gar nicht so viel. Sehr ärgerlich.

    Dass ich Lakritz liebe, das konnte die mir zugeneigte Leserin vermutlich schon beim Lesen meines ersten Romans erahnen, denn Emma geht es nicht anders als mir und freut sich wie jeck, als man ihr ein Tütchen aus Holland mitbringt: Salzig, aromatisch, nix für Kinder. So muss das, oder?

    Und weil mir Lakritz so lieb ist, habe ich eine zweite Heldin sogar durch Lakritz retten lassen. Mehr oder minder. Ist halt ein modernes Märchen und da kann so ein Süßwarenladen im norddeutschen Ammerland genau das sein, was eine etwas verzweifelte und viel zu unselbstständige junge Frau zum großen Glück führt. Ist doch herrlich, oder?

  • Was trug Emma im Jahr 1934?

    Was trug Emma im Jahr 1934?

    Vier Modellkleider von 1934, Illustration

    In den frühen Dreißigerjahren, so liest man immer wieder, wurde die Mode wieder femininer – ganz so, als wären die Kleider der Zwanziger schmucklose Säcke oder langweilige Herrenanzüge gewesen. Aber dazu gerne ein anderes Mal mehr.

    Weiblicher wurde die Kleidung insofern, als Taille und Hüfte betont wurden: Hier lagen Kleid, Rock und Bluse eng an. Wirklich eng. Ab Mitte der Oberschenkel wurde der meist knöchellange Rock weiter – eingesetzte Godets, aufspringende Falten oder ausgestellte Bahnen sorgten dafür, dass die Dame gut ausschreiten konnte.

    Ebenso gab es Mehrweite am Oberteil: Biesen, Falten, Rüschen und Raffungen wurden gern großzügig eingesetzt und dank der ebenfalls stark betonten, dabei aber runden, weichen Schulterpartie wurde der Eindruck einer großen und schlanken Frau geschaffen, die durchaus sportlich, aber dabei grazil-feminin und jugendlich erscheinen sollte. Puffärmel oder besonders schmale Ärmel, hohe Kragen oder breite Kragen, Schleifen und vor allem Passen, gerne auch asymmetrisch, lenkten den Blick nach oben und in das Gesicht der modebewussten Frau. Die, das muss gesagt sein, nur dann wahrlich modisch war, wenn sie das Geld hatte, der Mode zu folgen.

    In diesen Jahren der dauernden Krisen, der Massenarbeitslosigkeit und grassierender Armut war es nur wenigen Frauen möglich, die kostspieligen Vorschläge der Haute Couture daheim nachzunähen: der berühmte Schrägschnitt, bei dem der Stoff im 45-Grad-Winkel zugeschnitten wird, verbrauchte sehr viel mehr Material als ein Hauskleid, das sparsam im Bruch mit dem Fadenlauf gearbeitet ist. Duftiger Musselin für üppige Rüschenkragen, die bei jedem Schritt mitwippten und leicht mit dem Lippenstift in Berührung kamen (was eine aufwendige Wäsche mit mühsamen Plätten und Stärken verlangte) war für die meisten Frauen ebenso unerschwinglich wie Seidensatin, Samt und veredeltes Leinen. Dutzende Biesen, großzügige Raffungen und feinste Unterwäsche, die für die passende Figur unter den engen Kleidern sorgten – das war nur etwas für die Dame der Oberschicht.

    Titelbild von De Gracieuse von 1934, Modezeitschrift, fünf Abendkleider

    Heißt das, dass es für andere nicht möglich war, gut gekleidet zu sein?

    Nun, wer dem Bürgertum zuzuordnen war und nicht auf jeden Pfennig achten musste, hatte natürlich das Nähen, Stricken und Häkeln gelernt und wenn die Anleitungen und die Erwartungen an das Geschick der Selbermacherin auch nach den Zwanzigern angestiegen waren, so war es meist kein großes Hexenwerk, einen modischen Pullover und einen schicken Rock anzufertigen: Das Selbermachen war eine Selbstverständlichkeit und das Angebot für die Heimschneiderin und die begeisterte Strickerin war groß – kaum eine Zeitschrift, die nicht bewies, dass Eleganz und Schick auch für die Sekretärin oder die Hausfrau zu erreichen war. Zumal von Frauen nach wie vor erwartet wurde, ein gefälliges Bild abzugeben und stets darauf zu achten, gepflegt und angemessen gekleidet aufzutreten.

    Wie also kleidete sich Emma, sicherlich einer meiner liebsten und beliebtesten Heldinnen?

    Während sie im vorherigen Jahrzehnt in Bonn zu jenen gehörte, die sich nur dank der reichen Verwandten (unsere unvergleichliche Sybil und James‘ Vater, dessen enormes Vermögen Emma ewig lang verborgen geblieben war, da der Gatte zu stolz war, um Geld vom Vater anzunehmen, aber darum geht es jetzt ja nicht), viel Arbeit und braver Bescheidenheit gute Kleidung leisten konnte, so fand sie sich in London als Mrs James Stuart Beresford auf einmal in der Rolle der gesellschaftlich bedeutenden Schwiegertochter und Nichte wieder, für die Geld gar kein Problem mehr darstellt. Was Emma durchaus genießt, aber dennoch bemüht ist, auf dem Boden zu bleiben.

    Titelbild von De Gracieuse, Modezeitschrift Niederlande 1934, zwei Tageskleider

    Eine sorgfältig zusammengestellte Garderobe ist nun ihre Arbeitskleidung und all die luxuriösen Sperenzchen wie Schrägschnitt, Raffungen, Seide, Musselin und aufregende Farben – ja, das wird von ihr erwartet. Ihre Figur, die sie stets als zu zart und zu dünn empfand, ist nun ein klein wenig fülliger geworden und so steht ihr die neue Mode womöglich noch besser als die luftigen Kleider ihrer Jugendtage. Als Rothaarige hat sie selbstverständlich gelernt, insbesondere auf die Farbe grün zu setzen, doch auch matte Blautöne und durchaus kräftige Rotnuancen finden sich in ihrem Kleiderschrank. Flotte Hütchen, passende Schuhe und Handschuhe, breite Gürtel, aber nur wenig Schmuck vervollständigen ihren Aufzug.

    Ja, Mrs Beresford gehört zu jenen beneideten und bewunderten Damen, die stets modisch und elegant gekleidet sind. Sie weiß es zu schätzen und zu ehren und sollten sich die Zeiten noch einmal ändern, so wird sie wie zuvor zu Nadeln und Faden greifen, und auch im Selbstgenähten, Selbstgestrickten reizend aussehen.

    Bilder: Wikimedia und eigene Sammlung

  • Neue Kleider für meine modernen Heldinnen

    Neue Kleider für meine modernen Heldinnen

    Was ich übrigens auch mal wieder getan habe: Ich habe an den Covern meiner zeitgenössischen Komödien gebastelt. Liebe sie. Darf ich das sagen?
    Ich sage es einfach: Liebe diese Cover, das hat so viel Spaß gemacht.
    Die Romane übrigens und die Kurzgeschichte sind entstanden, weil ich auch mal etwas ganz Heutiges schreiben wollte. Und es sollte auch ganz so werden, wie es sich gehört: so mit Slowburn und Enemies to Lovers und so.
    Ja, vergiss es. Es sind Märchen geworden mit viel Zynismus, zuckersüßer Romantik, viel Traum und einigen biografischen Erlebnissen (logisch, das sind die Szenen, von denen manche meinen, das wäre sooo unecht 🙂 – das ist IMMER so)
    Ob nun Hochzeit vor der Kamera mit Mord als Zugabe, Scheidung plus Lakritz und Norddeutschland, Weihnachten, Eltern und Corona oder interaktives Fragespiel, um den Richtigen zu finden – ernst nehmen darf man das alles nicht, sondern nur Spaß haben! Auf dem Kindle UND dem Tolino btw

  • Ganz, ganz viele meiner Romane für deinen Tolino

    Ganz, ganz viele meiner Romane für deinen Tolino

    Es ist wieder einmal so weit: Ich versuche es zum achten Mal mit Thalia & Co. – weil ich einfach nicht aufgebe. Trotz all der Hindernisse und meiner (wie ich finde) sehr berechtigten Kritik. Kritik am ziemlich unpraktischen Dashboard, Kritik an den Möglichkeiten, die man als Autorin bekommt, um sich sichtbar zu machen, Kritik an so mancher technischen Anforderung (eingebettete Fonts dürfen z. B. keine Leerzeichen im Namen haben – so aber werden sie von ihren Designern nun einmal oft benannt und wer sich da nicht gut auskennt, weiß womöglich nicht, wie man das anpasst). ABER das Team von Tolino Media ist noch immer entzückend, wunderbar und hilfreich und sollten vielleicht die Geschäftsführung des gesamten Unternehmens an sich ziehen; das würden die Damen locker wuppen.

    Dieser Versuch bedeutet für mich IMMER massive Verluste. Sich von Amazons Exklusivität zu verabschieden, kommt mit einem hohen Preisschild: Sehr, sehr viel weniger Sichtbarkeit = sehr, sehr viel weniger Umsatz = sehr, sehr viel mehr Ausgaben für Werbung = sehr, sehr viel weniger Brot im Schrank. Ob das jemals über Tolino ausgeglichen werden kann, weiß ich nicht.

    Doch da ist natürlich wieder und wieder die Frage nach Moral und Prinzipien. Thalia ist natürlich als Riesenkonzern, der Indie-Buchläden gezielt aufkauft und verdrängt, kein Musterbeispiel für ethisches Handeln. Aber der Unterschied zu Amazon dürfte groß sein (und hoffentlich bleiben – so weit ich herausfinden konnte, will dort niemand mit Nazis plaudern!) und das ist in der heutigen Zeit, in der wir alle versuchen (wollen oder sollten), US-Konzerne nicht zu fördern, eine Menge wert.

    Sowieso läuft es mit Amazon für die meisten Indies seit dem letzten Jahr nicht mehr rund. Dafür gibt es tausend Gründe, aber die müssen uns jetzt nicht kümmern. Was ich sagen will: Ich nage eh wieder am Hungertuch, nachdem ich es für zwei Jahre mal sehr, sehr weit geschafft hatte (was mich noch immer wundert, fühlt sich schon gar nicht mehr real an). Es will mir scheinen, das ist der beste Moment, um zu sagen: Fuck it, ich versuche es noch einmal. Vielleicht gelingt es mir, auch Tolino-Leserinnen für meine Heldinnen zu begeistern? Mag Jahre dauern, aber das hat den Vorteil, dass es sich so nach Zukunftsplanung anfühlt – obwohl ich mir, wenn ich nicht schreibe oder anderweitig arbeite und abtauche, kaum noch vorstellen kann, Weihnachten 2026 zu erleben. Ihr kennt das Gefühl, oder?

    Daher: Wann sonst, wenn nicht jetzt? Wer also mal etwas von mir lesen und mich damit unterstützen mag: Versucht es mal über Thalia; bis Ende des Jahres möchte ich womöglich alle Serien bis auf eine dort haben. Vielleicht werde ich wieder einmal feststellen müssen, dass ich mir das nicht leisten kann, aber es nicht erneut zu versuchen, das wäre mir wirklich widerlich.

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  • Verlag oder Indie?

    Verlag oder Indie?

    Es gibt natürlich hunderte von Artikeln, Kolumnen und Beiträgen zu diesem Thema und solltest du eine Autorin am Anfang ihres Weges sein, dann kennst du vermutlich bereits alle und weiß somit bestens Bescheid über das Für und Wider jeder Möglichkeit. Da kann ich dir nichts Neues sagen.

    Das ist aber auch gar nicht mein Bestreben, denn ich schreibe für dich als Leserin. Oder genauer gesagt: Alles, was ich schreibe, schreibe ich für Leserinnen, ob das meine Romane sind oder ein Post auf Instagram oder eben dieser Artikel hier. Mit Kolleginnen kommuniziere ich lieber per Mail und Chat und live (was ich aber auch gerne mit Leserinnen tue).

    Um was geht es also heute?
    Weiß ich, ehrlich gesagt, noch gar nicht so genau. Aber das Thema brennt mir seit einiger Zeit schon auf der Seele, weil ich immer wieder in Diskussionen dazu gerate. Auch weil ich zu viele Artikel zum Thema ‚Der arme Verlag‘ gelesen habe während der letzten Wochen. Wobei mir irgendwann doch sehr aufstieß, wie es dabei immer um Existenzgrundlagen ging. Und zwar um diejenigen der Verlagsangestellten, der Buchhändlerinnen, der Vertriebler und der externen Mitarbeiterinnen wie Coverdesignerinnen, Lektorinnen und Korrektorinnen.

    Die – wohl gemerkt – natürlich von ihrem Job leben sollen können. Nur nie erwähnt wurden die Autorinnen. Also mal so gar nicht, sieht man von Nebensätzen ab, in denen man vielleicht sagte, es sollten die Autorinnen unterstützen, es wäre ja im eigenen Interesse, wenn alle gut verdienten, dann bekämen sie ja auch mehr. Doch an erster Stelle kamen diejenigen, die von der Arbeit dieser einer Person leben wollen. Und da sah ich also all diejenigen Kolleginnen und Kollegen vor meinem geistigen Auge an ihrem Schreibtisch hocken, Wort an Wort suchend und aneinanderreihend und dabei die Last von mehr als einem Dutzend Personen auf den Schultern tragend.

    Der Unterschied ist halt: Die meisten dieser Personen sind fest angestellt und haben einen Lohn, der in der Regel höher ist als der Durchschnittsverdienst einer Autorin. Deutlich höher. Also sehr viel höher. Vom Schreiben nämlich leben die Wenigsten, die meisten Kolleginnen, die nicht zu den Bestsellerköniginnen zählen, haben einen Hauptberuf und schreiben in der Freizeit, die noch bleibt. Und haben sich viel zu oft daran gewöhnt, gar nicht erst zu erwarten, von ihrem ‚Hobby‘ mehr zu haben als ein nettes Abendessen alle paar Wochen. Weil Kunst und Kultur und so. Und hey: Das ist doch Ruhm und Ehre genug, auf dem Titel eines Buches genannt zu werden und dieses Buch womöglich sogar im lokalen Buchhandel zu finden. (Selbstverständlich nicht, wenn dein Verlag nicht zu den Großen gehört und du dich gerne in einer der Ketten finden möchtest, die – das sollte mal nicht vergessen werden – den unabhängigen Buchhandel wirksamer zerstören, als Amazon es könnte.)

    Ja, und logisch schließt sich an diese Diskussion immer das Geschimpfe über das (auf alle Fälle viel zu mächtige und) große A an, das böse Bedingungen diktiert und alles kaputt macht. Und ja, da gibt es vieles, was verbessert und abgeschafft werden muss, von Steuerschlupflöchern bis zu miesen Arbeitsbedingungen. Aber das viel größere Problem für Verlage vor allem dürfte sein, wie ausgesprochen kulant und hilfsbereit Amazon ist, wenn es darum geht, als Autorin von der eigenen Arbeit so gut leben zu können, wie es für die vorher genannten Personengruppen gilt.

    Tja, jetzt könnte man meinen, ich wäre zur Indieautorin geworden, weil ich Geld verdienen wollte. Da muss ich sagen: So klug war ich lange Zeit nicht einmal, als dass ich mir um solche egoistischen Luxusgüter wie Essen, Trinken, Rente Gedanken gemacht hätte. Ich habe nämlich einfach nur meine erste Geschichte geschrieben und sie bei Amazon hochgeladen, weil ich viel zu ängstlich und schüchtern war, um Agenturen anzuschreiben. Deren Webauftritte sind in der Regel alles anderes als einladend und der Ton, in dem Bedingungen und Forderungen dort aufgelistet sind, geht mehr so in Richtung: Du, die du hier eintrittst, lass alle Hoffnung fahren!

    Hat auf mich gewirkt, ich habe keine einzige Agentur angeschrieben. Und wollte meinen verschwundenen Professor einfach in täglich kleinen Portionen auf meinem Blog veröffentlichen. Was mir eine liebe Freundin verboten hat. Wenigstens bei Amazon könnte ich es doch einstellen, da könnten es meine Blogleserinnen kaufen. Punkt.

    Ich gehorchte, erzählte auch, ich habe da einen Krimi geschrieben, aber den müsst ihr nicht kaufen, ist ja alles nur Spielerei und so peinlich. Aber etwa zwanzig kauften ihn dann doch. Und ich schrieb am zweiten Band, was ich nie vorgehabt hatte. So machte ich weiter, um mir mein verhasstes Hausfrauendasein erträglicher zu machen. (Ein ganz anderes Thema und nicht für heute angedacht). Etwas wie Werbung habe ich über Jahre nicht gemacht, sondern nur auf Instagram meine Cover gezeigt – was mir ebenfalls schon peinlich genug war. Ich wagte ja nicht einmal in Gedanken, mich Autorin zu nennen.

    Ich bin also in das Indieautorinnenleben reingerutscht und kam dadurch dann auch zu zwei Verlagen. Ohne Frage: Die Zusammenarbeit war toll, ich mag die Leute alle sehr, es hat Spaß bereitet und natürlich ist ein absolutes Hochgefühl, von einem Verlag angeschrieben zu werden mit der Frage, ob man nicht etwas für sie schreiben wolle. Was zudem zu einem guten Zeitpunkt geschah: Meine Mutter war eben in die Demenz-WG umgezogen und machte dort die allergrößten Schwierigkeiten. Ich kam eben aus der Wohnung, mühsam nicht heulend und vollkommen geschafft, als mein Handy klingelte. Eine neue eMail. Ich schaue hinein und ja, das war das Highlight des Monats. Natürlich habe ich zugesagt und will seit langem schon einen weiteren Band für dp schreiben. Klappt nur irgendwie nicht.

    Weil mein Schreibkalender voll ist bis obenhin. Weil ich zu viele Ideen habe, die ich verwirklichen möchte.

    Aber auch, weil ich schneller bin als ein Verlag. Weil ich mittlerweile weiß, dass ich ein Kontrollfreak bin. Weil ich mich nicht in der Länge meines Romans einschränken lassen will. Weil ich alleine entscheiden will, ob nun dieses oder jenes passiert.
    Nun war es nicht so, als hätte man mir etwas vorgeschrieben oder als wäre mein Text unkenntlich aus dem Lektorat gekommen (im Gegenteil wurde gar nichts geändert, was mich dann doch auch sehr wunderte). Nein, die Zusammenarbeit war toll. Aber sobald das Buch veröffentlicht war, hatte ich nichts mehr damit zu tun. Es fühlte sich nicht an wie meine Arbeit. Und das fühlt sich nicht gut an. Es ist ein bisschen so, als wäre mein kleines Kind zum Spielen bei einem Freund und dann riefen die Freundeseltern an und teilten mir mit, der bleibt jetzt bei uns, der kommt nicht wieder zu euch nach Hause. Und ich würde nur mit den Schultern zucken und sagen, das wäre schon ok. Grässlich, oder?

    Für mich und meinen Charakter kann es nur das Indieautorinnenleben geben. Ich trage die Verantwortung an allem, arbeite täglich lange und hart an allen möglichen Aspekten dieses Berufs, mache mich damit oft genug vollkommen verrückt und fertig, aber ich liebe jede Minute davon. Mir gefällt das Cover nicht mehr, ich habe eine neue Serienidee, ich habe gelernt, einen besseren Klappentext zu schreiben, ich will diese Geschichte nicht mehr veröffentlichen? Alles eine Sache von Minuten, Stunden, Tagen und es ist so, wie ich das will. Ich kann auf alles reagieren, wie ich es möchte, ich muss mich mit niemandem absprechen, ich muss nicht bitten und betteln und ich kann – nahezu – für mein Essen, Trinken und die Rente sorgen. Dabei bin ich so abhängig wie wir alle von allen möglichen Gegebenheiten, aber doch so frei, wie es nur geht.

    Also ganz klar: Indie von ganzem Herzen!

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  • Die Tote im Hyde Park

    Die Tote im Hyde Park

    Frisch geschrieben, frisch geteilt: Die erste Szene des ersten Kapitels.


    05. Juli 1934, London, England

    Seit bald einem Jahr lebten die Beresfords nun wieder in England und doch war Emma nach wie vor unentschieden, ob der Vorzug, ein recht unbeschwertes Leben im Luxus zu führen, mehr wog als das Heimweh nach Freundinnen und Kollegen in Bonn. Immer wieder überkam sie das Verlangen, einen Spaziergang am Rhein machen zu wollen – insbesondere nun, da der Sommer London eine ungewöhnliche Hitze bescherte, die wahrlich an die schwülen Tage der alten Heimat erinnerte. Eine Erinnerung, die sie belastete. Aus vielen, vielen Gründen.
    Erst gestern Abend hatte James gefragt, ob sie, sollten sich die Umstände in Deutschland grundlegend ändern, wieder würde zurückgehen wollen. »Ernsthaft, Darling, würdest du es nicht vermissen, Kleider ohne Ende schneidern lassen zu können? Und dein Automobil – du fährst gar zu gerne durch die Gegend, um das wieder aufgeben zu wollen, ist es nicht so?«
    »Das klingt, als wäre ich scheußlich materialistisch. Ich meine, wir kamen ziemlich gut zurecht auch ohne all das Geld deines Vaters.«
    »Ohne Sybils Geld wären wir oft in arger Bedrängnis gewesen.«
    »Schön und gut, aber sie hat uns geholfen. Und uns ja nicht eben wenig dafür schuften lassen.«
    »Schuften! Die paar Tanzstunden.«
    »Und die Buchhaltung. Und die kleinen Erledigungen. Und überhaupt –«
    »Und überhaupt hat sich das nicht geändert; Sybil findet immer etwas für alle zu tun.«
    »Das macht ihren Charme aus.«
    »So verrückt es ist, aber das ist wohl wahr. Goodness, welche Frau Mitte vierzig kann schon von sich behaupten, ganz London um den Finger gewickelt zu haben?«
    »Mitte vierzig? Ich bitte dich, sage das nur nie, wenn sie in der Nähe ist. Noch möchte ich nicht zur Witwe werden.«
    »Was soll das denn heißen? Was soll dieses noch bedeuten? Hast du Pläne, von denen ich nichts weiß?«
    Emma lachte und warf sich dem geliebten Gatten in die Arme, was den, der mit so viel Schwung nicht gerechnet hatte, rückwärts aufs Sofa kippen ließ. So zum Liegen zu kommen, das mißfiel ihm eindeutig nicht. Ja, er wusste mit der neuen Lage auch gleich etwas anzufangen. Sein treues Weib jedoch machte sich gleich los und sprang auf die Füße. »So leid es mir tut, jetzt nicht. Die Frau, die trotz ihres hohen Alters ganz London um den Finger wickelt, erwartet uns immerhin zu einem köstlichen Mahl und so reich kann ich gar nicht werden, dass ich mir das entgehen lasse.«
    James rollte mit den Augen, war dann aber doch verblüffend rasch wieder in der Senkrechten – ein Schäferstündchen mit Emma ließ sich eben doch leichter aufschieben als ein Dinner bei der Schwipptante und ihrem russischen Ehemann. Bei den Gregorins ging es meist hoch her; ihre privaten Parties waren stets einen Artikel in sämtlichen Zeitungen wert, nicht nur in jenen, die James‘ Vater gehörten.
    Und der Abend enttäuschte nicht: Wieder waren die interessantesten Leute dort gewesen, wieder hatte man über alles Mögliche bis in den frühen Morgen hinein geredet, man hatte gelacht und getanzt und ganz ausgezeichnet gespeist. Als James die Gattin daher fragte, ob sie Bonn denn noch immer so schrecklich vermisse, antwortete sie mit einem sehr entschiedenen Nein. Und einem ebenso entschiedenen Ja.
    »Damit ist es geklärt«, befand James und überzeugte Emma davon, dass man zwar zu Bett gehen könne, aber nicht mehr unbedingt schlafen müsse. »Lohnt sich doch kaum, der Wecker klingelt in einer halben Stunde eh.«
    »Ah ja. Eine halbe Stunde also kannst du für mich erübrigen, wenn es gerade mal so passt? Das will ich mir merken. Gewiss hilft mir das über die Trauer hinweg, wenn ich zur Witwe geworden sein werde.«
    »Jag mir keine Angst ein, Darling.«
    Sie kicherte und machte sich daran, seine unberechtigten Sorgen fortzuküssen. Das gelang ihr ziemlich gut.

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  • Ein ActivityPub-Plugin-Test

    Ein ActivityPub-Plugin-Test

    Ich möchte einmal sehen, ob dieser Post im Fediversum erscheint. Und unbedingt möchte ich sagen, dass ich meinen Max nach wie vor unendlich vermisse.

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