Eine süße Fledermaus fliegt über ein Schloss

Der Tag der Fledermaus!

Das finde ich so entzückend: ein Festtag für die Fledermaus.
Nun ja, eigentlich gibt es diesen Tag wohl nur in den USA, aber irgendetwas Gutes muss ja auch in diesen Zeiten mal von dort stammen, oder? Allerdings gibt es auch eine europäische Fledermausnacht, in der man sich über diese Flugtierchen informieren kann – auf die Schnelle habe ich nicht herausgefunden, wann das in diesem Jahr stattfindet. Ich musste mich ja schließlich beeilen, noch schnell etwas zu diesem Festtag zu schreiben.
Warum? Weil ich Fledermäuse mag, seitdem mein Vater in den Siebzigern mal einen Nebenjob in einem nicht mehr existierenden Gebäude angenommen und dort in nicht länger verwendeten und abgedunkelten Büroräumen neben allerlei menschlichem Unrat eine einzelne, winzige und sehr verängstigte Fledermaus fand, die vor lauter Hunger und wohl auf Kälte sofort auf ihn zu schwebte und sich an seine Schulter kuschelte.
Mein Vater fand in seinen letzten Jahren meinen Vegetarismus gar nicht mehr so albern; ich fand nach seinem Tod seine Linkliste und da waren sehr viele Seiten aufgeschrieben, die sich damit befasste. Aber das nur nebenbei, das zeigt seine grundsätzliche Tierliebe, die wir teilten. Er nahm das Tierchen mit nach Hause und übertrug mir, dafür zu sorgen, dass es ihr gut geht. Ich war acht oder neun Jahre alt und erinnere mich heute nicht mehr, was ich der Fledermaus an Futter anbot, aber mein Vater befestigte einen Karton an meiner Zimmerdecke, passte eine Stange ein und bot es dem Tierchen an, dass dann auch wirklich über einige Wochen dort schlief. Relativ oft aber flatterte sie durch mein Zimmer und war insgesamt recht zutraulich – mein Kater war wenig zufrieden, durfte er doch nicht zu mir herein, obwohl er bislang Nacht für Nacht in meinem Bett geschlafen hatte.
Dann kam das Frühjahr und die Fledermaus – oh, ich glaube, sie hieß Flieda, ganz dunkel kommt die Erinnerung wieder – stellte fest: Ich will raus. Einige Tage schwirrte sie auf den Balkon und wieder zu mir herein (ja, ich hatte einen Balkon, aber nicht aus Gründen von Luxus, im Gegenteil – andere Geschichte!), bis sie dann eines schönen Abends davon flatterte und nicht mehr zurückkehrte. Was mir das Herz brach. Mein Kater verzieh mir zum Glück und so war Flieda dann doch bald vergessen. Bis vorhin.
Die Fledermaus also. Seit dem Mittelalter scheint eng mit Magie und dem Übernatürlichen verbunden zu sein. Wieso, weshalb warum? Vermutlich weil sie so sicher durch die Nacht fliegt. Weil ihre Flügel wie der Umhang eines Mönchs wirkt. Weil man Mäuse für Ungeziefer hielt und wenn sie dann noch fliegen können – nein, nein, das ist nicht natürlich, das muss Magie sein. Ich will gar nicht aufzählen, was man mit diesen Tieren alles angefangen hat – entweder, um sich vor ihnen zu schützen oder um ihnen ihre Magie abzuzapfen. Ihr könnt es euch eh schon denken, dass das nichts Gutes sein kann. Und als man irgendwann kapierte, dass es keine Hexen gibt und Fledermäuse nicht deren Boten oder Diener oder Begleiter oder was immer sonst sind, nun, da betrachtete man sie als Tiere der Nacht und dank Bram Stoker und seinem Dracula waren sie nun Vampire in Tierform. Es wollte einfach nicht besser werden, oder?
Dabei sind sie so reizend anzuschauen. Das hübsche kleine Gesicht, ihr sicherer Flug, das runde Bäuchlein – vermutlich sind wir einfach nur neidisch. Ich denke, es wird Zeit, dass ich in der nächsten Staffel rund um Rachehexe Moira eine Flieda einbaue. Im Institut für Fantastik … Hmm, ich weiß gar nicht, ob ich sie da erwähne. Auf dem Cover sind sie aber unbedingt. Als Klischee und Stimmungsträgerin ist die Kleine nämlich doch ganz groß!


Fediverse-Reaktionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

×