Collage von Modezeitschriften aus dem Jahr 1934

Was trug Emma im Jahr 1934?

Vier Modellkleider von 1934, Illustration

In den frühen Dreißigerjahren, so liest man immer wieder, wurde die Mode wieder femininer – ganz so, als wären die Kleider der Zwanziger schmucklose Säcke oder langweilige Herrenanzüge gewesen. Aber dazu gerne ein anderes Mal mehr.

Weiblicher wurde die Kleidung insofern, als Taille und Hüfte betont wurden: Hier lagen Kleid, Rock und Bluse eng an. Wirklich eng. Ab Mitte der Oberschenkel wurde der meist knöchellange Rock weiter – eingesetzte Godets, aufspringende Falten oder ausgestellte Bahnen sorgten dafür, dass die Dame gut ausschreiten konnte.

Ebenso gab es Mehrweite am Oberteil: Biesen, Falten, Rüschen und Raffungen wurden gern großzügig eingesetzt und dank der ebenfalls stark betonten, dabei aber runden, weichen Schulterpartie wurde der Eindruck einer großen und schlanken Frau geschaffen, die durchaus sportlich, aber dabei grazil-feminin und jugendlich erscheinen sollte. Puffärmel oder besonders schmale Ärmel, hohe Kragen oder breite Kragen, Schleifen und vor allem Passen, gerne auch asymmetrisch, lenkten den Blick nach oben und in das Gesicht der modebewussten Frau. Die, das muss gesagt sein, nur dann wahrlich modisch war, wenn sie das Geld hatte, der Mode zu folgen.

In diesen Jahren der dauernden Krisen, der Massenarbeitslosigkeit und grassierender Armut war es nur wenigen Frauen möglich, die kostspieligen Vorschläge der Haute Couture daheim nachzunähen: der berühmte Schrägschnitt, bei dem der Stoff im 45-Grad-Winkel zugeschnitten wird, verbrauchte sehr viel mehr Material als ein Hauskleid, das sparsam im Bruch mit dem Fadenlauf gearbeitet ist. Duftiger Musselin für üppige Rüschenkragen, die bei jedem Schritt mitwippten und leicht mit dem Lippenstift in Berührung kamen (was eine aufwendige Wäsche mit mühsamen Plätten und Stärken verlangte) war für die meisten Frauen ebenso unerschwinglich wie Seidensatin, Samt und veredeltes Leinen. Dutzende Biesen, großzügige Raffungen und feinste Unterwäsche, die für die passende Figur unter den engen Kleidern sorgten – das war nur etwas für die Dame der Oberschicht.

Titelbild von De Gracieuse von 1934, Modezeitschrift, fünf Abendkleider

Heißt das, dass es für andere nicht möglich war, gut gekleidet zu sein?

Nun, wer dem Bürgertum zuzuordnen war und nicht auf jeden Pfennig achten musste, hatte natürlich das Nähen, Stricken und Häkeln gelernt und wenn die Anleitungen und die Erwartungen an das Geschick der Selbermacherin auch nach den Zwanzigern angestiegen waren, so war es meist kein großes Hexenwerk, einen modischen Pullover und einen schicken Rock anzufertigen: Das Selbermachen war eine Selbstverständlichkeit und das Angebot für die Heimschneiderin und die begeisterte Strickerin war groß – kaum eine Zeitschrift, die nicht bewies, dass Eleganz und Schick auch für die Sekretärin oder die Hausfrau zu erreichen war. Zumal von Frauen nach wie vor erwartet wurde, ein gefälliges Bild abzugeben und stets darauf zu achten, gepflegt und angemessen gekleidet aufzutreten.

Wie also kleidete sich Emma, sicherlich einer meiner liebsten und beliebtesten Heldinnen?

Während sie im vorherigen Jahrzehnt in Bonn zu jenen gehörte, die sich nur dank der reichen Verwandten (unsere unvergleichliche Sybil und James‘ Vater, dessen enormes Vermögen Emma ewig lang verborgen geblieben war, da der Gatte zu stolz war, um Geld vom Vater anzunehmen, aber darum geht es jetzt ja nicht), viel Arbeit und braver Bescheidenheit gute Kleidung leisten konnte, so fand sie sich in London als Mrs James Stuart Beresford auf einmal in der Rolle der gesellschaftlich bedeutenden Schwiegertochter und Nichte wieder, für die Geld gar kein Problem mehr darstellt. Was Emma durchaus genießt, aber dennoch bemüht ist, auf dem Boden zu bleiben.

Titelbild von De Gracieuse, Modezeitschrift Niederlande 1934, zwei Tageskleider

Eine sorgfältig zusammengestellte Garderobe ist nun ihre Arbeitskleidung und all die luxuriösen Sperenzchen wie Schrägschnitt, Raffungen, Seide, Musselin und aufregende Farben – ja, das wird von ihr erwartet. Ihre Figur, die sie stets als zu zart und zu dünn empfand, ist nun ein klein wenig fülliger geworden und so steht ihr die neue Mode womöglich noch besser als die luftigen Kleider ihrer Jugendtage. Als Rothaarige hat sie selbstverständlich gelernt, insbesondere auf die Farbe grün zu setzen, doch auch matte Blautöne und durchaus kräftige Rotnuancen finden sich in ihrem Kleiderschrank. Flotte Hütchen, passende Schuhe und Handschuhe, breite Gürtel, aber nur wenig Schmuck vervollständigen ihren Aufzug.

Ja, Mrs Beresford gehört zu jenen beneideten und bewunderten Damen, die stets modisch und elegant gekleidet sind. Sie weiß es zu schätzen und zu ehren und sollten sich die Zeiten noch einmal ändern, so wird sie wie zuvor zu Nadeln und Faden greifen, und auch im Selbstgenähten, Selbstgestrickten reizend aussehen.

Bilder: Wikimedia und eigene Sammlung


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