Ein mörderischer Fall für Frl. Schumacher

Der verschwundene Professor ist der erste Roman, den ich geschrieben habe. Aus einer Laune heraus – die allerdings auf einer Idee beruhte, die seit zehn Jahren bereits immerzu in meinem Kopf lebte. Eine junge Frau sollte zur Ermittlerin werden, obwohl nichts an ihr dafür sprach. Schüchtern, vielleicht sogar ängstlich und viel zu unerfahren sollte sie sein. Gelegentlich schrieb ich eine Szene, einmal ein ganzes Kapitel. Und legte es immer wieder beiseite. Mit kleinen Kindern – meine Söhne waren damals drei und anderthalb Jahre jung – kam ich eh zu nichts.
Und dann im Sommer 2017 setzte ich mich in den Garten und fing an, fest überzeugt, ich würde bestimmt wie auch sonst nach drei, vier Seiten aufgeben. Es wurden zehn, zwanzig, fünfzig. Ab da war ich drin und kann bis heute nicht aufhören. Ich schreibe schnell und ich schreibe täglich viel und lang. Da kommt was zusammen. Zum Beispiel eine vollständige Welt, in der meine Emma lebt. Eine Welt, die ihr viele, viele Möglichkeiten bot, erwachsen zu werden, selbstbewusst und eigenständig. Eine Welt, die dann so richtig vor die Hunde ging. Was ich niemals aussparen wollte. Die Weimarer Republik war Hintergrund und Nebendarstellerin zugleich – und immer auch Grund für viele Entwicklungen: in Emmas Leben, in ihren Beziehungen, in ihren Fällen.
Emmas Leben bis zu ihrem ersten Auftritt
Geboren am 31. Oktober 1906 in Bonn am Rhein sieht die Welt gut aus für das kleine Mädchen: Sie ist die Tochter von Heinrich August Schumacher, seines Zeichens Ägyptologe, und Charlotte, einer deutlich jüngeren Engländerin von bescheidenem Adel, die in Bonn all das findet, was sie immer wollte: Echte Liebe, echte Freiheit, echte Entfaltung. Die kleine Emma wächst dementsprechend recht frei auf – mit Klavier und ägyptischen Göttern, Lexika und Romanen, mitten in der Stadt und doch nah an der Natur, nicht sehr reich, aber ausreichend wohlhabend. Ihre Eltern sehen in ihr nicht eine zukünftige Ehefrau, sondern ein Menschenkind, das sich entfalten soll nach eigenem Tempo und eigenem Geschmack.
Doch der Krieg bricht aus, dazu zum Ende hin noch die Spanische Grippe, an der das Mädchen heftig erkrankt – vor allem junge Menschen sind es, die von der Epidemie dahingerafft werden. Doch das Kind gesundet und Charlotte möchte Emmas Geburtstag, der der vollständigen Genesung vorangeht, feierlich begehen. Sie bricht auf, alles für einen Kuchen zu besorgen; kein leichtes Unterfangen in den letzten Kriegstagen.
Zugleich verirrt sich, so nimmt man heute an, ein englischer Flieger, der ganz woanders hätte sein sollen. Warum er seine Bomben auf Bonn fallen lässt, ist nicht recht klar. Sie fallen auf den heutigen Friedensplatz und töten knapp zwanzig Menschen, die die Warnsirenen nicht ernstgenommen hatten und auch gar nicht rasch genug hätten fliehen können, hätten sie es gewollt. So oft war der Alarm losgegangen, doch nie war etwas geschehen – und lag es nicht schon in der Luft, dass es doch zu einem, wenn auch von den Verblendeten der Deutschen als schändlich empfundenen Frieden kommen würde?
Charlotte war unter den Toten. Emmas Geburtstag und der Todestag ihrer Mutter waren nun für immer verbunden. Und acht Jahre später Anlass, nach Bonn zurückzukehren. Heinrich nämlich, gramgebeugt und kaum fähig, mit seinem Kummer zurechtzukommen, gab dem Drängen der Schwiegermutter nach: Emma wurde nach England gebracht, um dort zur jungen Dame erzogen zu werden, die nicht die Last der deutschen Schuld würde tragen müssen. Ein reger Briefwechsel beginnt zwischen Vater und Tochter – offen, freundschaftlich, intensiv. Und als einer seiner Briefe so gänzlich verkehrt klingt, macht sich Emma – schüchtern, tollpatschig, unsicher und unerfahren – nach Bonn auf, um nach dem Rechten zu sehen. Ein Aufbruch, der alles verändern wird für sie.
Noch gerät Emma unversehens in Kriminalfälle / 1926 – 27




Emma hat kaum herausgefunden, was mit ihrem Vater geschehen ist, da schlittert sie schon in den nächsten Fall: Eine Stelle in einem Schönheitsinstitut tritt sie an und bald darauf liegt eine Tote in ihren Armen. Und von dort aus wird es nur schlimmer und schlimmer und schlimmer.
Doch auch das wird überstanden, eine zweite Stellung soll nun Sicherheit und ein ausreichendes Auskommen bringen. Und es beginnt sehr gut, wenn auch etwas peinlich: Nette Kolleginnen, ein charmanter Chef und eine Direktrice, die Emma sehr bewundert. Doch die Mode des Hauses ist nicht nur schick, sondern totschick. Und der Krieg, den so viele längst vergessen haben, zeigt noch jetzt seine Wirkung.
Kurz vor Emmas Geburtstag: In der Tanzschule ihrer Tante kommt es zu einem Zwischenfall, dessen Folgen fast so weit reichen wie dessen Ursache.
Nicht mehr ganz so zufällig mischt sich Emma ab nun ein / 1928 – 1929
Das Fräulein Schumacher, das längst kein Fräulein mehr ist, geht auf Hochzeitsreise – dort begegnen die Beresfords einem alten Bekannten – nach dem sie bald schon suchen müssen. Ziemlich abenteuerlich wird es unter der südlichen Sonne.








Schlag auf Schlag geht es: In Emmas Leben tut sich einiges, beruflich kommt sie voran und als Ermittlerin ist sie längst von einem Selbstbewusstsein, das wir auch als leichtsinnig und unvorsichtig bezeichnen dürfen. Sie ist jung, sie ist neugierig, gelegentlich vergisst sie, was sie ihrer Erziehung schuldig ist. Doch damenhaftes Verhalten und niedliche Naivität passen eh nicht mehr in diese Zeit, findet nicht nur Emma. Die politischen Kontroversen, die ständigen Reichstagswahlen, das Gerede mancher Leute, das hasserfüllter wird – nein, Emma hält sich nicht auf mit Zurückhaltung. Sie will eine bessere Welt und Gerechtigkeit für die Opfer der Verbrechen, mit denen sie zu tun bekommt.
Reifer, als ihre Jahre es verlangen, ist Emma bereits / 1930 – 33




Das Ende der Zwanzigerjahre – und wirklich das Ende einer Zeit, in der Emma als Frau an eine gleichberechtigte Zukunft glauben konnte. Den Menschen geht es schlecht; Arbeitslosigkeit und Inflation kehren zurück, das Leben wird teurer und beschwerlicher in jeder Hinsicht. Das merken auch die jungen Beresfords, die trotz harter Arbeit und durchaus großzügiger Hilfe der reichen Verwandten recht bequem über die Runden kommen könnten – wenn sie sich nur für sich und nicht auch für andere interessierten.
Und mit dem Januar 1933 verändert sich alles rasant – Angst und Hass und Wut sind die bestimmenden Gefühle in Emma. Menschen, von denen sie es nie erwartet hätte, jubeln dem neuen Reichskanzler zu und zucken achtlos mit den Schultern ob der Morde an Andersdenkenden, die ohne besondere Mühe um Glaubhaftigkeit als Unfälle oder Suizide ausgegeben werden.
Bald steht es also fest: Hier können wir und wollen wir nicht bleiben! Aber wie gehen, wenn man Freunde und Freundinnen zurücklässt, die mehr Grund als die Beresfords haben, die neuen Machthaber zu fürchten? Und was ist mit dem Mörder, der sein Unwesen treibt?
Mrs Beresford auf heißer Spur
Nicht nur das Land wechselt Emma, nein, ihre Umstände ändern sich völlig. Erst hier in London erfasst sie, wie vermögend die Schwiegereltern sind – und wie reizend. Als Enkelin Lady Mitfords und Schwiegertochter eines Verlegers und Nichte von Sybil, die gemeinsam mit Alexej in kürzester Zeit einen Nachtclub zum Erfolg führt – nun, da bleibt es nicht aus, dass die junge Mrs Beresford in das Licht der Öffentlichkeit gerät. Ein wenig zumindest.
Und all das Geld, all der Luxus: Das gefällt Emma durchaus. Doch das ist nur die eine Seite, denn es gibt so vieles zu tun, so vieles hat sich geändert und so vieles und so viele muss sie vermissen. Eines allerdings nicht: Auch hier gerät sie kurz nach der Ankunft in einen Mordfall …
Eine echte Ermittlerin / 1933 – ?




Ja, es geht also weiter mit Emma. Erwachsen ist sie, eine Dame der Gesellschaft, eine berufstätige Frau, ein Glamourgirl, eine Ermittlerin und einiges mehr. Ihre größte Angst sind die Faschisten, die auch in Großbritannien an die Macht drängen, ihre größte Freude sind ihre Familie und zwei Freunde, die nach London ziehen. Es könnte alles so herrlich sein, nicht wahr?
Emma Charlotte Schumacher wartet auf dich.
Und wenn du Emma irgendwann gut kennst und mehr über das eine oder andere wissen möchtest, was den historischen Hintergrund angeht oder Emmas privates Leben, dann komm noch einmal hierher zurück :=
-
Ausgerechnet Bananen
Ausgerechnet Bananen, Bananen verlang ich von ihm! Nicht Erbsen, nicht Bohnen, auch keine Melonen , klang es durch die Arndtstraße 13a früh am Mittwochmorgen. Sybils Sopran schwang sich zu immer erstaunlicheren Höhen auf, während sie in der Wanne plätscherte. Emma…
-
Emma Charlotte Schumacher
Emma kam am 31. Oktober 1906 auf diese Welt. Diese Welt, das bedeutete für die Tochter eines deutschen Ägyptologen und einer aus adliger Familie stammenden Engländerin das Bonn der Kaiserzeit, einer reichen Stadt mit einer renommierten Universität, vielen Pensionären und…
-
Warum befindet sich meine Rechtsmedizin in der Universität?
Echte und fiktive Orte bei Fräulein Schumacher Das Bonn, durch das Emma und Kommissar Wertheim laufen, unterscheidet sich in vielem von dem Bonn, das wir heute kennen. Nicht nur, weil ein komplettes Viertel den Kriegsgelüsten eines Führers zum Opfer gefallen…
-
Viel zu aktuell …
Als ich irgendwann im Frühjahr 2007 das erste Mal darüber nachdachte, einen Kriminalroman zu schreiben, der im Bonn der 1920er spielen sollte, hatte ich nicht die geringste Ahnung, dass Ja und nun habe ich langsam das Gefühl, dass ich diese…
-
Wenn die Geschichte in dunklen Zeiten spielt
Wie ist es, mit Emma, ihrer Familie und Freunden aus den Goldenen Zwanzigern hineinzugehen in die Dreißiger? Die Dreißiger, die schnell grauer und kälter wurden, bis endlich die Nazis ihr Ziel erreicht hatten und aus der doch eher bunten und…
-
Mrs Beresford auf heißer Spur
Wer meine Emma-Reihe kennt, kennt natürlich auch die unvergleichliche, die einmalige, die ewig junge, ewig schöne, ewig scharfzüngige Sybil. Emmas Tante, zwei Mal unglücklich verheiratet, zwei Mal verwitwet (OHNE eigenes Zutun, wohlgemerkt!), jetzt seit einigen Jahren schon Fürstin Gregorin und…
-
Der Club der Verräter
Was ich nun schon verraten kann: Es wird dieses Mal in zumindest einer Hinsicht etwas traurig werden. Das hatte ich natürlich nicht geplant – wie auch, wenn ich nicht plotte? Aber wie das immer so ist, wenn ich voller Vertrauen…
-
Emmas London in den 1930ern – Erster Teil
Eine Stadt der Gegensätze In den meisten meiner Romane spielt Bonn, meine Heimatstadt am Rhein, eine wichtige Rolle. Hier hatte ich auch meine erste Geschichte angesiedelt: Fräulein Emma Charlotte Schumacher, Tochter eines deutschen Ägyptologen und einer englischen Dame, ist gebürtige…
-
Die Mitford-Schwestern
Englischer geht es kaum Schwestern scheinen für jede Gesellschaft schon immer von Interesse gewesen zu sein – also zumindest dann, wenn sie irgendwie anders, irgendwie besonders, irgendwie aus der Art geschlagen sind. Da gab es die sieben (7 fürwahr!) Nichten…
-
Yummy yummy – Der Afternoon Tea
Bleiben wir noch ein gutes Weilchen in London, aber bevor es weiter durch die Stadt, ihre Geschichte und den Alltag geht, machen wir Pause. Leckere Pause. Wir trinken mit Emma einen Tee.Das hat unsere Freundin immer schon getan; sie liebt…
-
Der Tag des Nylonstrumpfs
Ja, richtig gelesen. Heute ist National Nylon Stocking Day, wie man auf der anderen Seite des Atlantiks sagt. Es ist – natürlich – ein rein amerikanischer Gedenktag, denn DuPont war ein us-amerikanisches Unternehmen. Aber egal, egal, der Anlass ist doch…
-
Emmas London in den 1930ern – Zweiter Teil
In London zu leben, das musste man sich vermutlich immer schon leisten können. Heute ebenso sehr wie in jenen Tagen, an denen Emma durch die Hauptstadt eilte, um harmlose Fragen zu stellen und einem Mörder auf die Pelle zu rücken.…
-
Den Schläger schwingen!
Es geht um Golf. Das Spiel mit dem kleinen Ball, den vielen Schlägern und einem Loch im Rasen, das weit entfernt liegt und in das doch möglichst flott der kleine Ball hinein geschlagen werden soll, stammt vermutlich aus Schottland. Dort…
-
Noch einmal Golf …
Es ist nun Mai 1935 und Emma findet sich auf einem Golfplatz wieder. Mit diesem Sport hat sie nicht viel zu tun, aber ihr Schwiegervater spielt nicht nur sehr gut, er tut es auch, um seinen Einfluss zu vergrößern. Als…



















