Andrea Instone

Licht & Schatten

Kurfürstliches Schloss von Bonn, um 1770

Wie sah die Welt für uns Frauen aus in den Jahrhunderten zuvor? Wenn wir zurückschauen, dann tappen wir gerne in wenigstens eine von mehreren Fallen: Entweder neigen wir dazu, die Menschen von damals für dümmer und gefühlskälter zu halten, oder aber wir stülpen unsere modernen Erwartungen über jede Person früherer Zeiten. Vielleicht aber gehen wir in jedem Fall davon aus, dass sie alle eines waren:

Voller Hoffnung auf das Leben

Wenn ich mich in Romane und Briefe versenke, die echte Frauen vor vielen, vielen Jahrzehnten verfasst haben, dann fällt mir bis ins Mittelalter hinein eines auf – das starke Gefühl für die Ungerechtigkeit dieser Welt, die ihr kaum je Respekt zollte oder gar erlaubte, eigene Entscheidungen zu treffen. Der gesellschaftliche Druck, die Zwänge, unter denen Frauen litten – das zieht sich durch alle Jahrhunderte. Das ist bitter. Und vielleicht habe ich deshalb zwei Frauenfiguren geschaffen, deren grundsätzliche Haltung keine kämpferische ist?

Vom Dienstmädchen zur feinen Dame

Hedwig Vianden ist erst fünfzehn Jahre jung, als sie aus ihrem Eifeldorf ins reiche Bonn aufbricht, um dort als Dienstmädchen in Stellung zu gehen. Sie hat keine hochfliegenden Träume, nur fort will sie aus den üblen Verhältnissen, in denen sie lebt. Ganz so, wie es sehr viele Mädchen in diesen Jahren tun.

Sie ist einerseits naiv und träumerisch, andererseits lebensklug und allzu vertraut mit den dunklen Seiten des Lebens – und willens, das Beste aus ihrem Leben zu machen.

Bonn Villa Prieger Gartenhalle 1899

Mit Hedwig geht es ins deutsche Kaiserreich um die Jahrhundertwende. Wenn ihre Geschichte auch durchaus märchenhaft verläuft, so erlebt sie doch authentisch nach, was für junge Frauen unterschiedlicher Herkunft Alltag war

Rokoko und Revolution

1 Aufruhr hinter den Kulissen

Im Jahr 1789 hat Luise Dietz ihr erstes Ziel erreicht: Sie steht auf der Bühne des Kurfürstlichen Theaters und feiert einen ersten Erfolg, dem die Eltern voller Stolz applaudieren. Mit Liebe und Ehe hat sie es nicht allzu eilig.

Eilig hingegen hat es Philippe de Beretton. Der nämlich ist im Auftrag seiner Königin in Bonn, um deren Bruder wichtige Botschaften zu überbringen.

Als beide sich begegnen, sind Bühne und Auftrag fast vergessen – wie herrlich es ist, verliebt zu sein! Doch in das junge Rokokoglück dringt die Nachricht aus Paris: Die Bastille ist gefallen. Und in Bonn, der aufgeklärten Stadt am Rhein, hat das mehr Auswirkung, als man zunächst vermuten mag.

poppelsdorf

Das kurfürstliche Bonn und die Straßen von Paris – hier entlang!

2 Abenteuer in Zeiten der Revolution 1

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