Eine Liebe im 18. Jahrhundert

Die Französische Revolution wird meist als jenes Ereignis verklärt, das das Ende der Königsherrschaft einläutete. Zunächst in Frankreich (mehr oder weniger), davon ausgehend überall in Europa. Irgendwie zumindest, unterschiedlich schnell und unterschiedlich erfolgreich. Jubel, Jubel! Oder?
Es starben sehr, sehr viele Menschen und keinesfalls nur jene, die verantwortlich waren für die grauenvollen Zustände für den Großteil der Bevölkerung. Tragödien von epischem Ausmaß lassen sich berichten, Morde so sinnlos und brutal, dass daraus keinesfalls die beste Gesellschaft aller Zeiten entstehen konnte, so sehr wir uns das auch zurechtbiegen wollen. Denn was war mit den Frauen?
Nun, die durften die Guillotine besteigen, so gleichberechtigt sollten sie dann doch sein. Aber aus den anfänglichen Ideen einer gerechten Gesellschaft werden sehr schnell alberne Träumereien dummer Frauen, die bitte an ihren Platz gehören. Einen Platz, der vielen eher neu und fremd war. Und unlieb.
Aber das ist nicht die Geschichte, die ich erzählen wollte. Nicht dieses Mal zumindest. Mich interessierte, was diese Revolution mit meiner Heimatstadt Bonn anstellte, die vom jüngsten Bruder der französischen Königin regiert wurde – gut regiert im Rahmen dessen, was eine Monarchie bzw. ein Kurfürstentum gestattete an Freiheit, Mitbestimmung und Toleranz. Max Franz war den Ideen der Aufklärung gegenüber durchaus aufgeschlossen; er war ein bescheidener Mann, volksnah und alles andere als engstirnig. Und es war ein Bericht über ihn, der mich dazu brachte, diese beiden Romane zu schreiben (neben meiner immer schon vorhanden Vorliebe für das Frankreich des 18. Jahrhunderts):
In einer Zeit, in der Schauspielerinnen als Huren galten, denen ein christliches Begräbnis innerhalb der Stadtmauern verwehrt wurde, in der man auch allein stehenden Frauen am Theater sehr viel Misstrauen und Verachtung entgegenbrachte, bewies Max Ernst, wie tolerant er war. Eine der Truppen, die an seinem Theater spielten, wurde von einem Ehepaar geleitet. Der Mann starb, die Frau übernahm – was sehr, sehr selten war in Deutschland insgesamt. Die Truppe behielt ihr Engagement, Max Franz – sehr viel mehr ein Mann der Instrumentalmusik der Oper oder des Schauspiels – unterstützte sie nach Kräften. Als diese Schauspielerin starb, machte man sich wie selbstverständlich daran, einen Platz für ihr Grab zu finden. Irgendwo außerhalt, unmarkiert, dem Vergessen überlassen. Doch der Kurfürst war es, der ein festliches Begräbnis auf dem Bonner Stadtfriedhof anordnete – und das auch noch für eine Protestantin in der streng katholischen Stadt, der er nicht nur als Kurfürst vorstand, sondern auch als Erzbischof diente.
Eine lange Vorrede für zwei kleine Romane, oder?
Zwei Monate lang recherchierte ich, erstellte eine Chronik der Jahre 1789 – 1796 – für Bonn, für Paris, für Marie Antoinette, für Max Franz, für Ludwig van Beethoven, für die Theatergeschichte meiner Stadt, für Napoleon, Robespierre, die Revolution insgesamt. Ich suchte nach Namen und Personen, die in Bonn lebten, rekonstruierte, wo was in meiner Stadt war, suchte nach Überresten, maß mit meiner Fitnessuhr die Wege – tat das, was ich für das Bonn Emmas und für dasjenige Hedwigs ähnlich getan hatte. Und dann setzte ich meine Luise dort hinein, ließ sie mit dem mürrischen Louis befreundet sein, ließ sie Teil werden seiner Clique, gab ihr Eltern, die ganz der Stimmung dieser Stadt entsprachen – ich schuf eine junge Schauspielerin, die den Geist Bonns verkörperte. Eine Rokokogestalt mit dem Wissen der Aufklärung, die ganz gegen ihren Willen in eine neue Zeit geschleudert wird.
Aufruhr hinter den Kulissen
Luise Dietz also. Sie hat ihr Debüt auf der Bühne des Kurfürstlichen Theaters hinter sich gebracht und freut sich auf eine hoffentlich glanzvolle Karriere. Ihre Singstimme solle sie üben, verlangt Louis van Beethoven, der es nicht leiden kann, dass die Freundin mehr Interesse am Schauspiel als an der Oper hat – obwohl er es nicht leiden kann, wenn er etwas für Sängerinnen komponieren soll. Widersprüchlich ist der grimmige junge Mann, doch so kennen ihn seine Freunde. Jeder Jeck ist anders – das sagte man damals schon im Rheinland.
Sehr anders als die bönnschen Jünglinge, die Luise nicht ernstnehmen mag, ist der Franzose, der in Bonn eintrifft. Philippe de Beretton, von niederem Adel und arm wie die klassische Kirchenmaus, ist – er kann es selbst kaum fassen – eher zufällig zum geheimen Kurier der Königin geworden und soll Max Franz eine Botschaft überbringen. Was er tut. Natürlich, immer werden ihm Pflichterfüllung und Ehre über alles gehen.
Außer über Luise. Ihr Kennenlernen könnte der Beginn einer reizenden Rokokoromanze werden. Doch der Lauf der Geschichte macht vor der jungen Liebe nicht halt und so muss Philippe nach Paris zurückkehren- Und auf eine gefährliche Mission.

Bonn anno 1789 – ein gutes Leben für die meisten Bürger und Bürgerinnen
Abenteuer in Zeiten der Revolution
Das Rokoko ist Geschichte. Sehr schnell und sehr endgültig, wenn man in Bonn auch noch eine gute Weile lang meint, es wäre all dies eine Sache der Franzosen. Wer in der Stadt zuvor für Aufstand und Rebellion einstand – etwas, was die Bonner als ziemlich albern empfanden – der trat von diesen Ideen zurück, nachdem die Nachrichten aus Paris zunehmend verstörender und grausamer wurden. Nein, man wollte den braven Max Franz behalten und unbehelligt leben.
Auch Luise würde das vorziehen. Als Philippes Frau ist ihr das nicht vergönnt, denn wieder und wieder fühlt der sich verpflichtet, seiner Königin beizustehen, so wenig er im Allgemeinen von der Monarchie hält. Als er nur knapp dem Tode entgeht, lässt Luise ihn nicht mehr aus den Augen – und so reist auch sie ins revolutionäre Paris …

Das ist nicht länger das Frankreich, das Philippe kannte: Der Terror regiert!
Stelle dich der neuen Zeit – komm zu Luise an den Rhein!






Mal nicht die Hauptfigur: Marie Antoinette
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