Hedwig 1882

Wenn wir uns vorstellen, wie unser Leben in der Vergangenheit wohl gewesen wäre, dann sehen wir uns vermutlich nicht als Dienstmädchen in einem bürgerlichen Haushalt. Dabei stehen die Chancen gut, dass wir unser Leben als Hausangestellte verdient und damit ganz weit unten in der Gesellschaft gestanden hätten. Wir wären zwar gebraucht, aber doch als lästiges Übel angesehen worden – als andauernde Bedrohung für den Seelenfrieden der Familie.
Bis heute spielt das Dienstmädchen eine untergeordnete Rolle in Filmen, Serien oder Romanen, und rückt ein Mädchen wie Hedwig einmal in den Mittelpunkt, dann hat sie gefälligst all das zu erleiden, was das Leben an Elend bereithält. Und ja, die Herkunft der meisten Hausmädchen war niedrig, ihre familiären Verhältnisse oft desolat. Doch Vergewaltigung und Prostitution waren nicht das zwangsläufige Schicksal jeder jungen Frau, die in Stellung ging. Auch darf man den Statistiken der Polizeibehörden nicht völlig vertrauen, was die Anzahl der Prostituieren grundsätzlich angeht: Eine alleinstehende Frau, die nach Einbruch der Dunkelheit auf der Straße gesichtet wurde, konnte sehr leicht des Herumlungerns verdächtigt werden – und diesen Verdacht wieder loszuwerden, war so leicht nicht.






Band 1
Fleiß, Gehorsam und Bescheidenheit.
Band 2
Frei von harter Arbeit, nicht von Pflichten.
Band 3
Endlich am Nil!



