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Autorin sein - das bestimmt mein Leben sehr. Ich arbeite zwischen zehn und sechzehn Stunden täglich; an Wochenenden auch mal weniger. Dazwischen gibt es natürlich Tage, an denen ich gar nichts tue. Oder na ja, eigentlich nur selten, denn es gibt, wenn man alles allein macht, halt immer was zu tun. Und ich liebe es, es bereitet mir Vergnügen und ich hoffe noch immer auf den Augenblick, an dem ich endlich einmal glaube, dass ich gut bin in meinem Job. Ich arbeite dran. Hahaha.
Ich weiß, zwischen den Zeilen, manchmal auch deutlicher, habe ich das schon oft erwähnt: Dass mir das Schreiben oder vielmehr meine Welten mit meinen Figuren enormen Halt gibt. Dass ich das Abtauchen benötige, wenn es auch immer schwieriger wird, überhaupt abtauchen zu können. Auch das sagte ich schon einmal und auf vielen Kanälen: Das Erzählen von Geschichten ist politisch, das kann gar nicht anders sein, denn alles, was ich sehe, denke und erlebe, prägt meine Wahrnehmung. Ich kann nichts erzählen, was ich nicht empfinde. Und wenn es historische Geschichten sind, die erzählt werden, dann trifft das für die Figuren darin ebenso zu - auch die leben in ihrer Welt und sind geprägt von dem, was geschieht. Deshalb lieben wir historische Romane doch auch: Weil sie uns eine Vergangenheit erlebbar machen - eine Vergangenheit, die unsere Welt möglich gemacht hat.
Aber worauf will ich hinaus? Lass mich sagen, es ist mir eben jetzt, hier und heute, ein spontanes Bedürfnis, dir und euch zu schreiben. Ohne Plan, ohne Agenda. Von daher kann ich die Frage so genau nicht beantworten. Ein Bedürfnis eben, entstanden aus den Nachrichten der letzten Stunden, Tage, Wochen und Monate.
Frankreich brennt. Das ist für mich im Augenblick am greifbarsten. Ich liebe Frankreich. Eine meiner liebsten Freundinnen ist Französin und im Moment wage ich kaum, sie zu fragen, wie es ihr geht. Weil sie keine Zeit haben wird, zu antworten und sich mit meinen Ängsten und meiner Trauer auseinanderzusetzen, wo sie selbst viel dringlichere Sorgen haben dürfte.
Wahrhaftig hatte ich vor Wochen noch überlegt, ob ich bei meinen angespannten Finanzen wagen darf, doch an Urlaub zu denken. An die Loire hätten wir gewollt - von der kaum noch etwas übrig ist. Oder nach Bordeaux, das nun evakuiert wird. Nach Versailles und Fontainebleau vielleicht. Oder bis nach Toulouse hinunter? Orte, die ich nach Jahrzehnten gerne (wieder) gesehen hätte. Das wäre dann in dieser Woche gewesen. Einzig, dass ich in diesem Jahr wegen meiner Entscheidung, nicht mehr von Amazon abhängig sein zu wollen, hat dafür gesorgt, dass ich mir das nicht leisten wollte oder konnte.
Wenn ich an all die Tiere denke, nicht nur in Frankreich, die bei diesen Feuern grausam ums Leben kamen und kommen, wenn ich an die Menschen denke, die überall, dort wie hier, während der Hitze gestorben sind, wenn ich die Kommentare zu all dem lese von Leuten, die darüber lachen, wenn ich ...
Ach, du und ihr - ihr wisst vermutlich fast alle, wie es mir geht, denn es muss wohl allen so gehen, die Empathie und Intelligenz besitzen. Ja, so arrogant bin ich: Ich bin weder kalt noch doof und ich weiß schon lange, dass die allermeisten meiner Leserinnen absolut wundervolle Frauen und Männer sind, die mit demselben Horror und derselben Hilflosigkeit auf die stündlichen Nachrichten lauschen. Wir sind schon lange nicht mehr da, wo man sich über Parteipolitik streiten sollte, es geht doch um viel mehr. Und glaubt mir, ich hätte nie gedacht, dass ich jemals von Moral und Anstand sprechen würde, weil ich beides als so selbstverständlich erachtet habe. Lustig eigentlich, wie ich mich durchaus als zynisch, pessimistisch und abgeklärt bezeichnen würde und doch immer und immer wieder feststelle, wie ich doch allzu naiv, optimistisch und hoffnungsfroh auf alles blicke.
Obwohl: So lustig ist es halt nicht. Ich habe das Gefühl, nicht mehr genug Zeit zu haben, all die Geschichten zu erzählen, die ich gerne erzählen möchte. Nicht mehr genug Zeit, endlich manche von euch persönlich kennenzulernen - hier nochmals ein Dank an die vielen, vielen Antworten, die ich im Laufe der Jahre erhalten habe, das ist immer ein Highlight. Nicht mehr genug Zeit, doch noch die Welt zu erleben, von der ich dachte, wir könnten sie erreichen: wirklich tolerant, wirklich offen, wirklich gerecht.
Muss man dazu manchmal auf etwas verzichten?
Ja. Aber dafür eine Zukunft zu erhalten, das ist doch eigentlich ein guter Tausch?
Müssen wir dafür perfekt sein in allem, was wir tun und lassen?
Nein. Bestimmt nicht. Aber irgendwie zusammenhalten, sich unterstützen, sich trösten - bekommen wir das hin, auch wenn es schwierig wird? Wenn es kostet?
Vielleicht. Ich hoffe es sehr. Und ich glaube, das ist der zweite Grund, weshalb ich nicht nur weiterschreibe, sondern mir nun auch noch ein Grafiktablet gekauft habe, sehr groß für alte Augen, und hoffe, den Umgang zu lernen, um schönere Cover zu erstellen. Weil ich möchte, dass ihr nur das Beste und Feinste bekommt, um der Welt immer wieder zu entfliehen. Ganz schön vermessen, oder? Mir einzureden, ich könnte da irgendwie für Stunden wichtig sein, oder? |