Morgen vor gut fünfzig Jahren ...

Was kann ich sagen?

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich bin keine Partymaus und mein Geburtstag war für mich nie ein Grund, in Jubel auszubrechen. Klar, als Kind war ich aufgeregt und freute mich wie jeck über Geschenke - die Puppenstube hatte ein Verwandter für mich gebaut, doch wer es war, ist leider im Laufe der Zeit verloren gegangen. Ich war vier Jahre alt und wir lebten noch in Sechtem, das damals noch zur Kreisstadt Bonn gehörte. Was schon zeigt, wie alt ich bin :D (Wenn ich noch erwähne, dass ich mal für eine italienische Seehandelsfirma mit gemunkelten Mafiaverbindungen auf einem sowjetischen Kreuzfahrtschiff gearbeitet habe, dann fühle ich mich endgültig wie ein Museumsstück!)

Und jetzt ändert sich die Welt erneut so heftig und grauenvoll - und ja, bitte, wer jetzt meint, das ginge alles in die perfekte Richtung, der/die möge sich gerne von meiner Buchpost abmelden, das ist ok und gut für uns beide :) - und eigentlich finde ich, ich hätte genug historische Dekaden durchlebt:

die Angst vor der RAF und davor, dass Andreas Baader höchstpersönlich in unserer Wohnung stehen könnte, hatte ich den täglich aus dem Schreibwarenladen meiner Mutter heimgebrachten Zeitungn zu verdanken, die ich als Schlüsselkind mittags beim selbstgekochten Essen begierig durchlas.

die Zeit des ziemlich heißen Kalten Krieges und der ständigen Atomkriegsgefahr und all die Demos, die in Bonn stattfanden (wobei ich mich auch noch an meine Kindergartenzeit erinnern kann und die verrammelten Schaufenster, wenn Demonstranten ziemlich aggressiv durch die Stadt rannten; einmal musste ich mit anderen bis zum Abend im Kindergarten bleiben, weil kein Rein- und kein Rauskommen mehr war. Um was es damals ging? Keine Ahnung.

der Beginn des Irak-Kriegs, als wir noch ganz nah neben der Hardthöhe, also dem Verteidigungsministerium, wohnten und in der Nacht zuvor im Sekundentakt Hubschrauber landeten und starteten, die alle möglichen Leute zu allen möglichen Verhandlungen brachten. War unheimlich. 

der Krieg in Jugoslawien und die Fassungslosigkeit, dass das in Europa geschieht und niemand wirklich etwas tun konnte.

Na, und immer so weiter. Von der Hoffnung, ja, sogar festen Überzeugung, dass wir uns hier in Europa, in unserem Stückchen Erde, beständig vorwärts entwickelten und so etwas wie eine gerechte Gesellschaft ohne Vorurteile machbar schien ... ja, davon bin ich leider ziemlich weit weg zurzeit. Ich bin - und so geht es vermutlich vielen von euch ebenfalls - müde, erschöpft, enttäuscht, verärgert und ängstlich. Kurs: Ist alles Mist irgendwie.

Oder?

Komme mir jetzt keine mit Beschwerden, dass Autorinnen nicht politisch werden sollten. Geht hier nicht um Parteipolitik, sondern um das Klima, das entsteht, wenn man schlechte Menschen an die Macht lässt. Es ist nicht leicht, sich täglich hinzusetzen und etwas zu schreiben, das lachen oder weinen macht, das unterhält und ablenkt von dem, was man ja gar nicht immerzu ertragen kann. Ganz gleich, ob das, vor dem man sich mal verstecken möchte, die Arbeit ist oder die Sorge um den Weltfrieden.

Warum sage ich das?

Das kann ich relativ kurz beantworten:


Weil es sich täglich so verkehrt, so falsch und feige anfühlt, mich in meine eigene, fiktive Welt voller Rachehexen und mächtiger Vampiras, emanzipierter Kavaliere und mutiger Heldinnen, naiven Nähmädchen und kühl kalkulierenden Gentlemangauner zurückzuziehen.

Weil es mir vermessen ankommt, diese Geschichten euch und dir anzubieten und zu hoffen, dass Leserinnen und Leser die Zeit und die Lust finden, sich ebenfalls ablenken zu lassen.

Weil ich immer die Sorge habe, es könnte als oberflächlich und dumm gedeutet werden, wenn ich hergehe und meine Cover zeige und sage, hey, lies mich doch mal, wenn du Lust auf das und das hast.

Weil ich verstehe, dass es für manche wichtig ist, zu wissen, wo jemand steht - um sich gut und sicher zu fühlen.

Uih, verdammt lange Buchpost heute!

Also schnell bunte Bilder und Buchpost!

Wie ihr vom letzten Jahr noch wisst, fühle ich mich unwohl, mich gänzlich auf Amazon verlassen zu müssen. Eindeutig der kulanteste und fairste Partner für Autorinnen, die sich Vollzeit ins Schreiben wagen. Mit Abstand. Und so ging mein viermonatiger Versuch im letzten Jahr nicht gut aus; kurz vorm Verhungern habe ich das Experiment gestoppt und mich seitdem nur mühsam ein wenig berappelt.

Und dennoch lerne ich ja nicht. Deshalb habe ich zwei Serien doch auch wieder zu Tolino gegeben.

Mord auf Saint Caspillian und Lily DuPlessis. Und beide sind, so finde ich, ziemlich perfekt dazu geeignet, unserer Welt mal zu entfliehen.

Mariella nämlich ermittelt Anfang der Zwanziger auf einer fiktiven Insel vor Portugal, auf der das Matriarchat selbstverständlich gelebt wird - was, man höre und staune, gänzlich ohne die Unterdrückung männlicher Caspiani auskommt. Hier hat sich die gesamte europäische und nordafrikanische Welt gemixt, hier kommt man einander tolerant und respektvoll entgegen. Fantasy sozusagen. 

ABER: Mord gibt es auch hier und das ruft Marialla auf den Plan.

Lily hingegen ist meine reizende Stummfilmdiva, der alle zu Füßen liegen. Doch die Gute hat keine Lust mehr, sie braucht endlich mal wieder Urlaub und das im heimischen Bonn - allerdings darf niemand wissen, dass sie ein rheinisches Gewächs ist. Also büxt sie doppelt heimlich aus, verfolgt von einem Reporter, der ... Nä, Timotheus Mayenbach muss man erlebt haben, den kann man nicht erklären. Von seinen Fans wird er übrigens Timo-Schnäuzelchen genannt, ein Spitzname, der erst spät sein Eigen wird.

Hier geht es komplett albern und absurd zu; ich habe ungelogen jede noch so kindische, verrückte, banale, unglaubwürdige oder sonstwie verdrehte Idee, die mir beim Schreiben kam, gnadenlos reingepackt und das Ganze mit zuckersüße Romantik bestreut. Liebe auf den ersten Blick? Aber hallo! Fremdschämen, Fehltritte und peinliche Fauxpas? Nur her damit. Nichts davon darf man ernstnehmen und wer keine Lust auf breites Grinsen und lautes Gigigänschengekichere hat, darf die Serie nicht anrühren.

 

Eine Insel im Atlantik, eine dunkle Nacht und ein Toter
Ein ägyptisches Geheimnis auf Saint Caspillian
1 Das Maedchen vom Film 2026
2 Die Goettin des Films 2026
3 Ein Leben wie im Film 2026

Dann noch schnell zu Moira McLeod, Rachehexe (und mehr) von Edinburgh. Band 1 ist schon da und Band 2 kommt ganz, ganz bald. Jetzt überlege ich, ob ich es schaffen kann, Band 3 - und damit das vorläufige Ende - zu schreiben, bevor ich mit Emma alias Mrs Beresford beginnen muss.

Ich bin gerade so schön im Schwung und Moiras Stimme ist vielleicht später nicht mehr so leicht zu treffen - sie schwankt zwischen schnoddrig-modern und gesittet-altmodisch, zwischen sehr selbstsicher, ein wenig zynisch und bescheiden. Ich würde also sehr gerne zu Ende bringen, was ich begonnen habe, zumal diese Serie Cliffhanger absolut notwendig gemacht hat.

Meinungen?

https://www.amazon.de/Gestern-Braut-Heute-Moira-McLeod-ebook/dp/B0G2TFBLHV/ref=pd_ybh_a_d_sccl_6/257-2312968-4890923

Und weil es gerade so hübsch bunt ist, hier noch die neuen Cover von In Love with Austen. Die Blumencover liebte ich sehr, doch eigentlich zeigten sie nicht, um was es ging. Das ist jetzt sicherlich eher der Fall.

Auch diese drei Romane werden in den nächsten Tagen bei Thalia erhältlich sein und dann schaue ich mal, ob ich dort irgendwie Leserinnen finden kann - Thalia tut leider wirklich gar nichts dafür, um Amazon etwas entgegenzusetzen. Weder für Autorinnen noch für Leserinnen, aber vielleicht ändert sich das irgendwann einmal. Nun ja ... 

1 Ihr Gespuer fuer Liebe 2023
2 Von Traumwelten und Gentlemen 2023
3 Edward Sinclairs Brautschau 2023

Das noch schnell zum Schluss: Alle Cover, die ich in den letzten Monaten neu gestaltet und ausgetauscht habe, kommen ohne KI aus. Es sind immer gekaufte Grafiken (ohne KI, darauf habe ich geachtet, und die meisten sind schon viele Jahre alt), Vintagepostkarten, alte Schnittmuster oder Modebilder, meine eigenen Malereien - für Schatten, Licht, Häuserformen, Fenster, Sonnen, Monde, Blumentöpfe und Straßen reicht mein Können so eben noch - und in Emmas und Alices Fall die digitalen Zeichnungen einer begabten Freundin meines Sohnes, die ich so komponiert habe, wie ich es wollte und brauchte. Liebe diesen Job und denke, ich habe im Laufe der letzten acht Jahre einiges gelernt :)

Ich arbeite mich noch durch die modernen Romane und Amelias Ägyptenabenteuer, dann ist alles, wie ich es möchte.

Jetzt aber endlich: 

Schluss für heute, euch und dir einen schönen Sonntag,

Andrea

Bin gar nicht so der Gif-Typ, aber musste doch mal sein.
Kitsch as Kitsch can!

Bis zum nächsten Mal

Andrea

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Andrea Instone
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